Soforthilfe und kostenlose Beratung: 0800 6003005
Ein Tatort oder Leichenfundort ist kein gewöhnlich verschmutzter Raum – er ist ein biologisch kontaminierter Bereich, in dem teils hochinfektiöse Krankheitserreger wochen- oder monatelang überleben. Hinzu kommen toxische Verwesungsgase, die bereits in geringer Konzentration die Gesundheit gefährden. Auf dieser Seite erläutern wir wissenschaftlich fundiert, welche konkreten Biogefährdungen an einem Tatort bestehen, warum Haushaltsmittel und improvisierte Schutzausrüstung nicht ausreichen – und wie wir als Fachbetrieb sicherstellen, dass ein kontaminierter Bereich vollständig dekontaminiert und wieder gefahrlos nutzbar wird.
Blut, Körperflüssigkeiten und Geweberückstände können eine Vielzahl gefährlicher Pathogene enthalten. Entscheidend ist: Viele dieser Erreger überleben außerhalb des Körpers deutlich länger, als die meisten Menschen vermuten. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Erreger zusammen, die bei einer Tatortreinigung relevant sind.
| Erreger | Überlebenszeit auf Oberflächen | Übertragungsweg |
| Hepatitis B (HBV) | Wochen bis Monate – Halbwertszeit >22 Tage bei 37 °C, bei 4 °C kaum reduziert über 9 Monate | Blut, Körperflüssigkeiten – bereits geringste Mengen reichen für Infektion |
| Hepatitis C (HCV) | Bis zu 6 Wochen auf Oberflächen infektiös | Blut – Kontakt über verletzte Haut oder Schleimhäute |
| HIV | Stunden bis wenige Tage, bei größeren Blutansammlungen länger | Blut, Körperflüssigkeiten – über Schleimhäute oder offene Wunden |
| MRSA | Wochen bis Monate auf trockenen Oberflächen | Hautkontakt, Schmierinfektion – Antibiotika-resistent |
| Clostridioides difficile | Monate – bildet extrem widerstandsfähige Sporen | Schmierinfektion – Sporen resistent gegen viele Desinfektionsmittel |
| Mycobacterium tuberculosis | Wochen in getrockneten Sekreten | Aerosol – Einatmen kontaminierter Staubpartikel |
Hepatitis B verdient besondere Beachtung, weil dieses Virus außerhalb des Körpers eine bemerkenswerte Stabilität aufweist. Eine Studie von Steinmann und Windisch (Ruhr-Universität Bochum, veröffentlicht im Journal of Infectious Diseases 2018) wies nach, dass HBV bei 37 °C eine Halbwertszeit von mehr als 22 Tagen besitzt. Bei niedrigeren Temperaturen – etwa 4 °C – war die Infektiosität über einen Zeitraum von 9 Monaten kaum reduziert. Das bedeutet: Eingetrocknete Blutflecken an einem Tatort können noch Wochen nach dem Ereignis hochinfektiös sein.
Doerrbecker et al. zeigten bereits 2011 im Journal of Infectious Diseases, dass Hepatitis-C-Viren auf Oberflächen bis zu 6 Wochen infektiös bleiben können. Paintsil et al. bestätigten diese Ergebnisse 2014. Für die Tatortreinigung bedeutet das: Auch vermeintlich eingetrocknete und „alte" Blutspuren stellen ein reales Infektionsrisiko dar.
Clostridioides difficile bildet Sporen, die gegen Hitze, Austrocknung und zahlreiche Desinfektionsmittel resistent sind. Diese Sporen überleben auf Oberflächen über Monate. Handelsübliche Reinigungsmittel und viele einfache Desinfektionsmittel sind gegen diese Sporen wirkungslos – nur gezielt sporenwirksame Präparate, wie sie professionelle Tatortreiniger einsetzen, können sie sicher eliminieren.
Bei einem Todesfall mit längerer Liegezeit entstehen durch den biochemischen Abbau des Körpers verschiedene Gase und flüchtige Verbindungen. Diese sind nicht nur für den charakteristischen Verwesungsgeruch verantwortlich – einige von ihnen sind in höherer Konzentration toxisch und können in geschlossenen Räumen gefährliche Werte erreichen.
Schwefelwasserstoff entsteht durch den bakteriellen Abbau schwefelhaltiger Aminosäuren. Der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) liegt bei 5 ppm (7,1 mg/m³). In geschlossenen Räumen mit fortgeschrittener Verwesung können deutlich höhere Konzentrationen auftreten. Ab etwa 200 ppm wird der Geruchssinn betäubt – das Gas wird nicht mehr wahrgenommen, obwohl die Konzentration lebensbedrohlich ansteigt. Bewusstlosigkeit und Atemstillstand sind mögliche Folgen.
Ammoniak entsteht beim Abbau stickstoffhaltiger Verbindungen. Es reizt Augen, Atemwege und Schleimhäute. In geschlossenen Räumen kann die Konzentration so hoch werden, dass bereits kurzzeitiges Einatmen zu Verätzungen der Atemwege führt.
Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2) entstehen bei Fäulnisprozessen in erheblichen Mengen. In schlecht belüfteten Räumen kann CO2 den Sauerstoffgehalt der Luft so weit verdrängen, dass Erstickungsgefahr besteht. Methan ist zudem in bestimmten Konzentrationen explosionsfähig.
Cadaverin (1,5-Diaminopentan) und Putrescin (1,4-Diaminobutan) sind biogene Amine, die beim Abbau der Aminosäuren Lysin und Ornithin entstehen. Sie sind mitverantwortlich für den Verwesungsgeruch und bei Einatmung oder Hautkontakt in höherer Konzentration gesundheitsschädlich.
Indol und Skatol – Abbauprodukte der Aminosäure Tryptophan – sind bereits in niedrigster Konzentration für den intensiven Fäulnisgeruch verantwortlich. Mercaptane (Thioalkohole) entstehen bei der Zersetzung schwefelhaltiger Proteine und verstärken die Geruchsbelastung zusätzlich. Diese Verbindungen setzen sich in porösen Materialien wie Putz, Holz und Textilien fest und lassen sich nur durch professionelle Verfahren wie Ozonbehandlung dauerhaft neutralisieren. Detaillierte Informationen dazu finden Sie unter Verwesungsgeruch entfernen.
Der Versuch, einen Tatort oder Leichenfundort mit handelsüblichen Reinigungsmitteln zu säubern, ist aus mehreren Gründen nicht nur wirkungslos, sondern gefährlich. Warum wir grundsätzlich von einer Eigenreinigung abraten, erläutern wir ausführlich unter Tatortreinigung selber machen. Die wichtigsten Punkte im Zusammenhang mit der Biogefährdung:
Haushaltsreiniger – auch solche, die als „antibakteriell" beworben werden – sind gegen Sporenbildner wie Clostridioides difficile wirkungslos. Die Sporen besitzen eine extrem widerstandsfähige Hülle, die nur durch gezielt sporenwirksame Desinfektionsmittel mit ausreichend langer Einwirkzeit zerstört wird. Wer mit normalem Putzmittel wischt, verteilt die Sporen lediglich auf einer größeren Fläche.
Für die Inaktivierung von Hepatitis-B-Viren ist ein begrenzt viruzides Desinfektionsmittel erforderlich, das gegen unbehüllte Viren wirksam ist. Einfache Flächendesinfektionsmittel aus dem Einzelhandel erfüllen diese Anforderung in der Regel nicht. Nur Präparate, die auf der RKI-Desinfektionsmittelliste geführt werden, bieten die erforderliche Wirksamkeit.
Ohne professionelle persönliche Schutzausrüstung (PSA) besteht bei der Reinigung eines kontaminierten Bereichs direkter Kontakt mit Pathogenen über drei Wege: über die Haut (auch durch Mikroverletzungen), über Schleimhäute (Augen, Mund, Nase) und über die Atemwege (kontaminierte Aerosole und Staubpartikel). Einfache Gummihandschuhe und ein Mundschutz aus der Apotheke bieten keinen ausreichenden Schutz.
Kriminaltechnisch eingesetztes Luminol, das zum Nachweis von Blutspuren verwendet wird, enthält potenziell karzinogene Bestandteile. Wurde Luminol am Tatort angewendet, muss es professionell entfernt werden – eine Aufgabe, die mit Haushaltsmitteln nicht zu bewältigen ist.
Unsere Tatortreinigung folgt den Vorgaben der TRBA 250 (Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege). Diese Regeln definieren verbindliche Schutzmaßnahmen für den Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppen 2, 3 und 4 – genau die Erreger, die an einem Tatort auftreten können.
Jeder Einsatz erfolgt mit vollständiger PSA nach dem Stand der Technik:
Wir setzen ausschließlich Desinfektionsmittel ein, die auf der Desinfektionsmittelliste des Robert Koch-Instituts (RKI) geführt werden (18. Ausgabe, Stand Januar 2026). Gemäß § 18 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) dürfen bei behördlich angeordneten Desinfektionsmaßnahmen ausschließlich Mittel und Verfahren aus dieser Liste verwendet werden. Wir wenden diesen Standard bei jedem Einsatz an – unabhängig davon, ob eine behördliche Anordnung vorliegt.
Die Wahl des Desinfektionsmittels richtet sich nach dem erwarteten Erregerspektrum:
Für komplexe Kontaminationsszenarien setzen wir staatlich geprüfte Desinfektoren ein. Diese Fachkräfte haben eine 130-stündige Ausbildung absolviert, eine staatliche Prüfung bestanden und unterliegen einer regelmäßigen Fortbildungspflicht. Sie sind qualifiziert, Desinfektionsmaßnahmen nach den Vorgaben des IfSG eigenverantwortlich durchzuführen und zu dokumentieren. Den gesamten Ablauf einer professionellen Tatortreinigung beschreiben wir unter Ablauf einer professionellen Tatortreinigung.
Bei einer Tatortreinigung fallen erhebliche Mengen kontaminierter Materialien an: durchtränkte Bodenbeläge, Polstermöbel, Matratzen, Textilien, Reinigungsmaterialien und die verbrauchte persönliche Schutzausrüstung. Diese Materialien dürfen nicht über den Hausmüll entsorgt werden – sie unterliegen strengen gesetzlichen Vorschriften.
Kontaminierte Materialien aus einer Tatortreinigung werden als klinischer Abfall klassifiziert und unter der UN-Nummer 3291 transportiert. Diese Einstufung gehört zur Gefahrgutklasse 6.2 (Ansteckungsgefährliche Stoffe), Verpackungsgruppe II. Die Materialien müssen in bauartgeprüften Außenverpackungen (sogenannten Wiva-Behältern) verpackt werden, die für den Transport infektiöser Stoffe zugelassen sind.
Der Transport kontaminierter Abfälle ist im Gefahrgutbeförderungsgesetz (GGBefG) und in der Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) geregelt. Wir verfügen über die erforderlichen Genehmigungen und arbeiten mit zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben zusammen. Sie erhalten für jede Entsorgung einen lückenlosen Entsorgungsnachweis, den Sie bei Bedarf Versicherungen, Vermietern oder Behörden vorlegen können.
Informationen zu den Kosten, die bei einer Tatortreinigung einschließlich Entsorgung anfallen, finden Sie unter Tatortreinigung Kosten und Kosten Desinfektion nach Todesfall.
Das hängt vom Erreger ab. Hepatitis-B-Viren können in eingetrocknetem Blut wochen- bis monatelang infektiös bleiben – bei kühlen Temperaturen sogar über 9 Monate. Hepatitis C überlebt bis zu 6 Wochen auf Oberflächen. Bakterielle Sporen wie die von Clostridioides difficile überdauern Monate. Selbst nach Wochen besteht an einem ungereinigten Tatort ein reales Infektionsrisiko.
Nein. Einfache Gummihandschuhe bieten keinen ausreichenden Schutz gegen Durchdringung durch Pathogene, insbesondere bei längerer Exposition. Ein herkömmlicher Mundschutz (OP-Maske) filtert weder Verwesungsgase noch feinste infektiöse Aerosole. Professionelle Tatortreiniger arbeiten mit FFP3-Atemschutz, Ganzkörperschutzanzügen, doppelten Chemikalienhandschuhen und Vollsichtschutzbrillen. Warum eine Eigenreinigung grundsätzlich keine gute Idee ist, erklären wir unter Tatortreinigung selber machen.
Bei der Verwesung entstehen unter anderem Schwefelwasserstoff, Ammoniak, Methan und Kohlendioxid. Schwefelwasserstoff ist bereits in geringen Konzentrationen toxisch und betäubt ab etwa 200 ppm den Geruchssinn, sodass die Gefahr nicht mehr wahrgenommen wird. In geschlossenen Räumen mit fortgeschrittener Verwesung können lebensbedrohliche Konzentrationen auftreten. Detaillierte Informationen zum Thema Geruchsbelastung finden Sie unter Verwesungsgeruch entfernen und Kosten Geruchsneutralisierung.
Das Robert Koch-Institut (RKI) führt eine offizielle Liste geprüfter Desinfektionsmittel und -verfahren. Diese Mittel wurden auf ihre Wirksamkeit gegen definierte Erregergruppen getestet und zugelassen. Gemäß § 18 des Infektionsschutzgesetzes sind bei behördlich angeordneten Desinfektionsmaßnahmen ausschließlich RKI-gelistete Mittel zulässig. Wir setzen diese Mittel bei jeder Tatortreinigung ein – auch ohne behördliche Anordnung.
Kontaminierte Materialien werden als klinischer Abfall (UN 3291, Gefahrgutklasse 6.2) in bauartgeprüften Spezialbehältern verpackt und von zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben abgeholt. Der Transport erfolgt nach den Vorschriften des Gefahrgutbeförderungsgesetzes. Sie erhalten einen vollständigen Entsorgungsnachweis für Ihre Unterlagen.
Bei einem Todesfall mit längerer Liegezeit ist Schädlingsbefall häufig bereits vor der Reinigung vorhanden. Fliegen, Maden und Käfer werden durch Verwesungsprozesse angezogen. Wir koordinieren bei Bedarf die Schädlingsbekämpfung zusammen mit der Tatortreinigung, um einen Neubefall auszuschließen. Ausführliche Informationen dazu finden Sie unter Schädlingsbefall nach Todesfall.

