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Sie haben eine verstorbene Person gefunden – in der eigenen Wohnung, bei einem Angehörigen oder in einer Nachbarwohnung. Diese Situation ist ein Schock. Auf dieser Seite erfahren Sie Schritt für Schritt, was jetzt zu tun ist: von den ersten Minuten nach dem Fund über die Benachrichtigung der Behörden bis hin zur professionellen Reinigung der betroffenen Räume.
Das Wichtigste vorab: Sie müssen nicht alles allein bewältigen. Es gibt klare Abläufe und professionelle Hilfe für jeden einzelnen Schritt.
Unmittelbar nach dem Fund einer verstorbenen Person sollten Sie diese Schritte in der folgenden Reihenfolge durchführen:
Nach Ihrem Notruf laufen folgende Schritte automatisch ab:
Ein Notarzt oder der ärztliche Bereitschaftsdienst führt die Leichenschau durch. Der Arzt stellt den Tod offiziell fest und dokumentiert die Todesart. Dabei unterscheidet er zwischen drei Kategorien:
Bei einem nicht natürlichen oder ungeklärten Tod erscheint die Kriminalpolizei am Fundort. Die Beamten sichern Spuren, befragen Zeugen und dokumentieren die Fundumstände. In dieser Phase darf die Wohnung nicht betreten oder verändert werden. Die Dauer der polizeilichen Maßnahmen variiert von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen.
Der Arzt stellt den Totenschein (Todesbescheinigung) aus. Mit diesem Dokument kann die Sterbeurkunde beim zuständigen Standesamt beantragt werden – innerhalb von drei Werktagen nach dem Tod. Die Sterbeurkunde benötigen Sie für alle weiteren Schritte: Versicherungen, Erbschein, Kündigung von Verträgen.
Die Überführung des Verstorbenen wird durch ein Bestattungsunternehmen durchgeführt. In den meisten Bundesländern muss die Bestattung innerhalb von zehn Tagen nach dem Tod erfolgen (Fristen variieren je nach Landesbestattungsgesetz).
Sobald der Arzt den Totenschein ausgestellt hat und die Polizei – falls involviert – die Freigabe erteilt, kann der Bestatter die Überführung vornehmen. In den meisten Fällen geschieht das noch am selben Tag.
Die Kosten für eine Bestattung liegen in Deutschland zwischen 3.000 und 8.000 € (einfache Bestattung). Sie sind eine Nachlassverbindlichkeit und werden vorrangig aus dem Nachlass beglichen. Hatte der Verstorbene eine Sterbegeldversicherung, übernimmt diese einen Teil der Kosten.
Nachdem der Verstorbene überführt wurde, bleibt die Wohnung zurück – oft in einem Zustand, der professionelle Hilfe erfordert. Je nach Liegezeit können Körperflüssigkeiten, Geruch und Schädlingsbefall den Wohnraum kontaminieren.
Der wichtigste Hinweis: Versuchen Sie nicht, die betroffenen Bereiche selbst zu reinigen. Es besteht ein erhebliches Gesundheitsrisiko durch:
Darüber hinaus gefährdet eine Eigenreinigung Versicherungsansprüche: Versicherungen erstatten in der Regel nur Kosten für professionelle Fachfirmen. Ausführliche Informationen finden Sie in unserem Artikel Tatortreinigung selber machen? Warum Experten dringend abraten.
Ein zertifizierter Tatortreiniger verfügt über die notwendige Schutzausrüstung, Fachkenntnis und Desinfektionsmittel, um die Wohnung sicher und gründlich zu reinigen. Der Ablauf umfasst:
Mehr zum detaillierten Ablauf erfahren Sie auf unserer Seite Ablauf einer professionellen Tatortreinigung.
Die Kosten für eine professionelle Tatortreinigung nach einem Leichenfund liegen je nach Umfang zwischen 500 und 3.000 €. In vielen Fällen übernimmt eine Versicherung die Kosten – ganz oder teilweise.
Die Hausratversicherung ist der häufigste Kostenträger. Sie deckt Reinigung, Desinfektion und Entsorgung kontaminierter Gegenstände ab. Der Versicherungsschutz besteht in der Regel noch zwei Monate nach dem Tod fort.
Sind Bausubstanz, Estrich oder fest verbaute Bodenbeläge kontaminiert, greift die Gebäudeversicherung des Eigentümers.
Die Reinigungskosten sind eine Nachlassverbindlichkeit. Besteht keine Versicherung, tragen die Erben die Kosten. Wer das Erbe ausschlägt, ist von dieser Pflicht befreit.
Ausführliche Informationen finden Sie in unseren Ratgebern Wer zahlt die Tatortreinigung? und Tatortreinigung Kosten.
Die folgende Checkliste fasst alle notwendigen Schritte zusammen – von den ersten Minuten bis zur Wiederherstellung der Wohnung:
| # | Schritt | Zeitrahmen |
|---|---|---|
| 1 | Notruf 112 absetzen | Sofort |
| 2 | Wohnung nicht verändern, Tür schließen | Sofort |
| 3 | Leichenschau durch Arzt abwarten | 30–120 Minuten |
| 4 | Ggf. polizeiliche Ermittlung abwarten | Stunden bis Tage |
| 5 | Bestatter beauftragen | Nach ärztlicher Freigabe |
| 6 | Angehörige und Vermieter informieren | Noch am selben Tag |
| 7 | Versicherung des Verstorbenen informieren | Innerhalb weniger Tage |
| 8 | Sterbeurkunde beim Standesamt beantragen | Innerhalb von 3 Werktagen |
| 9 | Professionelle Tatortreinigung beauftragen | Nach Polizei-/Arztfreigabe |
| 10 | Kostenvoranschlag bei Versicherung einreichen | Vor Reinigungsbeginn |
| 11 | Erbschein beantragen (falls nötig) | Innerhalb von 6 Wochen |
| 12 | Mietvertrag kündigen / Wohnung auflösen | Sonderkündigung innerhalb 1 Monat |
Einen nahestehenden Menschen tot aufzufinden, ist eine der belastendsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Neben den praktischen Schritten ist es wichtig, auch auf die eigene psychische Gesundheit zu achten.
Wenn Sie einen Verwesungsgeruch aus einer Nachbarwohnung wahrnehmen, rufen Sie die Polizei (110) oder die Feuerwehr (112). Versuchen Sie nicht, eigenständig in die Wohnung einzudringen. Die Behörden verfügen über die Befugnis und die Möglichkeit, die Wohnung zu öffnen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel Leichenfund in der Nachbarwohnung.
Als Mieter oder Vermieter haben Sie besondere Rechte und Pflichten. Der Vermieter hat eine Verkehrssicherungspflicht gegenüber anderen Mietern. Erben können den Mietvertrag mit einer Sonderkündigung innerhalb eines Monats beenden. Ausführliche Informationen finden Sie in unserer Vermieter-Checkliste: Todesfall in der Mietwohnung.
Wird eine Person erst nach Wochen oder Monaten gefunden, ist die Situation besonders belastend. Die Verwesung ist weit fortgeschritten, der Geruch durchdringt oft die gesamte Wohnung, Schädlingsbefall ist wahrscheinlich. In diesen Fällen ist eine umfassende professionelle Reinigung zwingend erforderlich – inklusive Ozonbehandlung und möglicherweise Sanierung der Bausubstanz.
Rufen Sie immer zuerst den Notruf 112 an. Der Rettungsdienst kommt und ein Arzt stellt den Tod offiziell fest. Bei Verdacht auf Fremdeinwirkung wird die Polizei automatisch verständigt.
Betreten Sie den betroffenen Raum nicht unnötig. Bei fortgeschrittener Verwesung besteht ein Gesundheitsrisiko durch Krankheitserreger und Verwesungsgase. Warten Sie auf den Rettungsdienst und die polizeiliche Freigabe.
Bei kurzer Liegezeit und schneller Beauftragung eines Tatortreinigers kann die Wohnung oft innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder nutzbar sein. Bei längerer Liegezeit mit Ozonbehandlung dauert die Wiederherstellung drei bis fünf Tage. Bei umfangreicher Sanierung der Bausubstanz kann es auch länger dauern.
Die Kosten liegen je nach Umfang zwischen 500 und 3.000 €. Bei kurzer Liegezeit auf gefliestem Boden beginnen die Kosten ab 500 €. Bei längerer Liegezeit mit Estrichsanierung und Ozonbehandlung können die Kosten 2.000 bis 3.000 € betragen. In vielen Fällen übernimmt die Hausratversicherung des Verstorbenen die Kosten.
Nein. Als Finder haben Sie keine Kostenpflicht. Die Reinigungskosten sind eine Nachlassverbindlichkeit und werden von den Erben beziehungsweise der Versicherung des Verstorbenen getragen. Sind Sie selbst Erbe, kann die Hausratversicherung des Verstorbenen die Kosten übernehmen.
Bei einem unbekannten Verstorbenen übernimmt die Polizei die Identifizierung. Das Ordnungsamt organisiert die Bestattung (Sozialbestattung) und gegebenenfalls die Reinigung der Wohnung. Die Kosten werden von der Kommune getragen und – falls möglich – später von den Erben zurückgefordert.

