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Es ist verständlich, dass Angehörige nach einem Todesfall darüber nachdenken, die betroffene Wohnung selbst zu reinigen. Oft spielen Kostenbedenken eine Rolle, manchmal der Wunsch, selbst etwas zu tun, oder schlicht die Annahme, dass Putzen eben Putzen ist. Doch eine Tatortreinigung oder Leichenfundortreinigung hat mit normaler Haushaltsreinigung nichts gemeinsam. Auf dieser Seite erklären wir transparent, warum Fachleute dringend davon abraten, einen Leichenfundort selber zu reinigen – und welche Aufgaben Sie tatsächlich selbst übernehmen können.
Der wichtigste Grund gegen eine Eigenreinigung sind die gesundheitlichen Gefahren. Ein Fundort nach einem Todesfall ist kein verschmutzter Raum – er ist ein kontaminierter Bereich mit biologischen Gefahrstoffen.
Blut, Körperflüssigkeiten und Geweberückstände können eine Vielzahl gefährlicher Krankheitserreger enthalten. Dazu gehören unter anderem:
Bei längerer Liegezeit entstehen durch den Verwesungsprozess toxische Gase wie Cadaverin und Putrescin. Diese sind bei Einatmung gesundheitsschädlich und können Übelkeit, Erbrechen und Atemwegsprobleme verursachen. In geschlossenen Räumen können sich diese Gase in gefährlicher Konzentration ansammeln.
Bereits nach kurzer Zeit kann ein Insektenbefall einsetzen. Fliegen und deren Larven sind nicht nur ein hygienisches Problem – sie verbreiten Krankheitserreger aktiv im gesamten Raum, auch in Bereiche, die auf den ersten Blick sauber wirken.
Professionelle Tatortreiniger arbeiten mit Ganzkörperschutzanzügen, Atemschutzmasken mit Spezialfiltern, Schutzbrillen und speziellen Handschuhen. Die Schutzausrüstung, die Sie in einer Apotheke oder einem Baumarkt kaufen können, bietet keinen ausreichenden Schutz gegen die genannten Gefahrstoffe. Ein einfacher Mundschutz filtert keine Verwesungsgase, Einmalhandschuhe reißen bei der Arbeit mit kontaminierten Materialien.
Selbst wenn Sie sich ausreichend schützen könnten – die Reinigung selbst ist mit handelsüblichen Mitteln nicht fachgerecht durchführbar.
Körperflüssigkeiten dringen in poröse Materialien ein: in Teppichböden, Holzdielen, Fugen, Polstermöbel, Matratzen und sogar in den Estrich. Eine Oberflächenreinigung entfernt nur das Sichtbare. Die eigentliche Kontamination bleibt bestehen – und damit auch die Gesundheitsgefahr und der Geruch.
Sporen von Clostridioides difficile beispielsweise überstehen gängige Desinfektionsmittel. Professionelle Tatortreiniger verwenden medizinische Desinfektionsmittel und enzymatische Reiniger, die nicht frei verkäuflich sind und eine spezielle Anwendung erfordern.
Verwesungsgeruch ist kein normaler Geruch, der mit Raumspray oder Essig verschwindet. Die Geruchsmoleküle setzen sich in Wänden, Decken und allen porösen Oberflächen fest. Ohne professionelle Geruchsneutralisation – beispielsweise mit Ozon – bleibt der Geruch bestehen, auch nach wochenlangem Lüften. Mehr dazu in unserem Artikel Verwesungsgeruch entfernen.
Die Kombination bestimmter Reinigungsmittel kann gefährliche chemische Reaktionen auslösen. Chlorhaltige Reiniger in Verbindung mit Ammoniak – das bei der Verwesung entsteht – bilden beispielsweise giftige Chlorgase. Ohne Fachkenntnis setzen Sie sich zusätzlichen Gefahren aus.
Neben den gesundheitlichen Gefahren gibt es rechtliche und finanzielle Gründe, die gegen eine Eigenreinigung sprechen.
Wenn eine Versicherung die Kosten für eine Tatortreinigung übernimmt, setzt sie in der Regel eine fachgerechte Durchführung voraus. Reinigen Sie selbst, kann die Versicherung die Kostenübernahme verweigern – auch für spätere Folgeschäden. Mehr dazu in unserem Artikel Wer zahlt die Tatortreinigung?
Bevor Sie einen Fundort reinigen, muss die Polizei den Ort ausdrücklich freigeben. Doch auch danach kann eine unsachgemäße Reinigung die Dokumentation für die Versicherung erschweren. Professionelle Tatortreiniger dokumentieren den Zustand vor, während und nach der Reinigung.
Kontaminierte Gegenstände – Teppiche, Matratzen, Polster – dürfen nicht im Hausmüll entsorgt werden. Sie gelten als Sondermüll und müssen fachgerecht entsorgt werden. Eine unsachgemäße Entsorgung kann ordnungsrechtliche Konsequenzen haben.
Wird eine Mietwohnung nach einem Todesfall nicht fachgerecht gereinigt, können Vermieter Schadensersatzansprüche geltend machen – etwa für die Beseitigung von Gerüchten, die Sanierung des Bodens oder die Bekämpfung von Schädlingen. Eine professionelle Reinigung mit Zertifikat schützt Sie vor solchen Forderungen.
Über die praktischen und rechtlichen Aspekte hinaus gibt es einen Punkt, der selten angesprochen wird: die enorme psychische Belastung.
Die Reinigung eines Ortes, an dem ein nahestehender Mensch verstorben ist, gehört zu den belastendsten Erfahrungen, die man durchleben kann. Es geht nicht nur um den Anblick – es sind die Gerüche, die körperlichen Spuren, das Wissen um das, was hier geschehen ist. Viele Menschen, die sich zu einer Eigenreinigung entschlossen haben, berichten von anhaltendem psychischen Leid und posttraumatischen Belastungen.
Professionelle Tatortreiniger sind für diese Arbeit ausgebildet und psychologisch geschult. Die professionelle Distanz, die sie mitbringen, ist kein Mangel an Mitgefühl – sie ist eine notwendige Voraussetzung für die Arbeit.
Unser Rat: Gönnen Sie sich professionelle Hilfe. Der Verlust eines Angehörigen ist Belastung genug. Sie müssen sich das nicht antun.
Es gibt durchaus Aufgaben, die Sie als Angehöriger nach einem Todesfall selbst übernehmen können – und solche, die zwingend von Fachleuten erledigt werden müssen.
Einen detaillierten Überblick über den gesamten Ablauf finden Sie in unserem Artikel Ablauf einer Tatortreinigung.
Häufig wird angenommen, dass eine Eigenreinigung Geld spart. Doch diese Rechnung geht selten auf.
Auch bei einer Eigenreinigung fallen Kosten an: Reinigungsmittel, Schutzausrüstung (soweit überhaupt beschaffbar), Entsorgungsgebühren für kontaminierte Materialien, neue Bodenbeläge, Ihre eigene Arbeitszeit. Erfahrungsgemäß kommen schnell mehrere hundert Euro zusammen – ohne Garantie, dass die Reinigung vollständig ist.
Wird ein Fundort nicht fachgerecht gereinigt, können Folgeschäden auftreten: anhaltender Verwesungsgeruch, erneuter Schädlingsbefall, Schimmelbildung durch eingedrungene Feuchtigkeit. Die nachträgliche Beseitigung dieser Schäden ist in der Regel deutlich teurer als die ursprüngliche professionelle Reinigung.
Wenn eine Versicherung die Kosten übernimmt, kostet Sie die professionelle Reinigung nichts. Reinigen Sie jedoch selbst, verlieren Sie möglicherweise diesen Anspruch. Es wäre also nicht nur riskant, sondern auch finanziell nachteilig.
Unser Kostenvoranschlag ist kostenlos und unverbindlich. Lassen Sie sich beraten, bevor Sie eine Entscheidung treffen. Ausführliche Informationen zu den Kosten finden Sie auf unserer Seite Tatortreinigung Kosten.
Vor der Polizeifreigabe dürfen Sie den Fundort nicht betreten oder verändern. Nach der Freigabe ist vorsichtiges Lüften grundsätzlich möglich, allerdings sollten Sie den Raum dabei nicht betreten. Öffnen Sie wenn möglich Fenster von außen oder von einem angrenzenden Raum aus. Beachten Sie: Lüften allein beseitigt weder die Kontamination noch den Verwesungsgeruch dauerhaft.
Nach der Polizeifreigabe dürfen Sie die Wohnung betreten. Wir raten jedoch dringend davon ab, den unmittelbar betroffenen Bereich zu betreten – sowohl aus gesundheitlichen als auch aus psychischen Gründen. Räume, die nicht direkt betroffen sind, können Sie in der Regel gefahrlos betreten.
Eine professionelle Tatortreinigung beginnt ab 500 €. Die meisten Einsätze liegen zwischen 500 und 3.000 €. Im Vergleich dazu kostet eine Eigenreinigung oft mehrere hundert Euro an Materialkosten – mit dem Risiko, dass Folgeschäden ein Vielfaches kosten. Eine detaillierte Kostenübersicht finden Sie auf unserer Seite Tatortreinigung Kosten.
In vielen Fällen ja. Hausratversicherung, Wohngebäudeversicherung oder Haftpflichtversicherung können die Kosten ganz oder teilweise übernehmen. Wir beraten Sie gerne und unterstützen Sie bei der Abwicklung. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel Wer zahlt die Tatortreinigung?
In dringenden Fällen sind wir innerhalb weniger Stunden vor Ort. Rufen Sie uns an unter 0800 6003005 – wir sind rund um die Uhr erreichbar.
Alles, was mit der eigentlichen Kontamination zu tun hat, muss von Fachleuten durchgeführt werden. Sie können jedoch nach Abschluss der professionellen Reinigung bestimmte Aufgaben übernehmen – etwa das Streichen von Wänden oder das Verlegen neuer Bodenbeläge. Sprechen Sie uns an, wir sagen Ihnen ehrlich, was Sie selbst machen können und was nicht.

