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Veröffentlicht am 12. März 2026 · Von Adrian Steinhoff

Tatort-Freigabe: Was passiert danach?

Kostenlose Beratung nach Tatort-Freigabe: 0800 6003005

Nachdem die Polizei ihre Arbeit am Tatort beendet hat und die Staatsanwaltschaft die Freigabe erteilt, stehen Angehörige, Eigentümer und Mieter vor einer belastenden Realität: Der Tatort wird nicht gereinigt übergeben. Blutspuren, Gewebespuren und die Hinterlassenschaften der kriminaltechnischen Untersuchung bleiben zurück. Auf dieser Seite erklären wir, was nach der Tatort-Freigabe geschieht, welche Schritte jetzt wichtig sind und warum eine professionelle Tatortreinigung unverzichtbar ist.

Was bedeutet „Tatort-Freigabe“?

Die Tatort-Freigabe ist der formale Akt, mit dem die Ermittlungsbehörden einen Tatort für den Eigentümer oder Mieter wieder zugänglich machen. Dabei ist ein weit verbreiteter Irrtum aufzuklären: Nicht die Polizei, sondern ausschließlich die Staatsanwaltschaft erteilt die Freigabe.

Der Ablauf ist klar geregelt:

  1. Die Polizei führt die Spurensicherung und Beweiserhebung am Tatort durch.
  2. Nach Abschluss der Tatortarbeit meldet die Polizei der Staatsanwaltschaft, dass die Untersuchungen vor Ort beendet sind.
  3. Die Staatsanwaltschaft als „Herrin des Ermittlungsverfahrens“ prüft, ob der Tatort freigegeben werden kann.
  4. Erst nach dieser Entscheidung wird das polizeiliche Siegel entfernt und der Zugang wieder ermöglicht.

Die Rechtsgrundlage bilden §94 und §98 StPO (Strafprozessordnung), die Beschlagnahme und deren Aufhebung regeln. Wichtig: Auch nach der Freigabe des Tatorts können einzelne Gegenstände – etwa ein Tatmesser, ein Computer oder bestimmte Kleidungsstücke – weiterhin als Beweismittel beschlagnahmt bleiben. Die Freigabe bezieht sich auf die Räumlichkeit, nicht zwingend auf alle darin befindlichen Gegenstände.

Die Polizei räumt nicht auf

Dies ist die wichtigste Information für alle Betroffenen: Die Polizei ist ausschließlich für die Spurensicherung und Beweiserhebung zuständig. Nach Abschluss dieser Arbeit verlässt sie den Tatort im Vorzustand – ohne aufzuräumen, ohne zu reinigen.

Viele Angehörige sind schockiert, wenn sie den Tatort nach der Freigabe zum ersten Mal betreten. Sie erwarten eine zumindest grob gereinigte Wohnung und finden stattdessen einen Ort vor, an dem Blutspuren, Gewebespuren und andere biologische Rückstände unverändert vorhanden sind. Die Polizei hat weder den Auftrag noch die Kapazität, einen Tatort zu reinigen – das gehört schlicht nicht zu ihrem Zuständigkeitsbereich.

Wir empfehlen dringend: Betreten Sie den Tatort nach der Freigabe nicht ohne Vorbereitung. Der Anblick kann extrem belastend sein, und es besteht ein ernstes Gesundheitsrisiko durch biologische Kontaminationen. Lassen Sie sich beraten, bevor Sie den Tatort betreten – rufen Sie uns kostenfrei an unter 0800 6003005.

Was hinterlässt die Polizei am Tatort?

Neben den Spuren der eigentlichen Tat hinterlässt die kriminaltechnische Arbeit der Polizei zusätzliche Verschmutzungen, die viele Betroffene nicht erwarten:

Biologische Spuren der Tat

Blutspuren, Gewebespuren, Körperflüssigkeiten und andere biologische Rückstände bleiben nach der Freigabe vollständig zurück. Je nach Art des Verbrechens können diese Spuren an Böden, Wänden, Decken, Möbeln und in der Bausubstanz vorhanden sein. Sie stellen ein erhebliches Infektionsrisiko dar. Warum eine Tatortreinigung in Eigenregie keine Option ist, erklären wir auf einer separaten Seite.

Fingerabdruckpulver

Zur Sicherung von Fingerabdrücken verwendet die Kriminaltechnik verschiedene Pulverarten:

  • Rußpulver (schwarz) – wird auf hellen, glatten Oberflächen eingesetzt, etwa auf Fensterscheiben, Türklinken oder lackierten Möbeln.
  • Argentorat- bzw. Aluminiumpulver (silber) – kommt auf dunklen Oberflächen zum Einsatz, um einen Kontrast zu erzeugen.
  • Magnetpulver auf Eisenoxidbasis (schwarz/grau) – wird sowohl auf porösen als auch auf nicht-porösen Flächen verwendet.

Auf glatten Oberflächen lässt sich Fingerabdruckpulver mit Spülmittel und Wasser entfernen. Auf porösen Materialien wie Tapeten, Rauputz oder unbehandeltem Holz ist die Entfernung deutlich schwieriger – häufig muss die Tapete entfernt und die Fläche neu gestrichen werden.

Luminol und chemische Reagenzien

Luminol wird eingesetzt, um nicht sichtbare Blutspuren nachzuweisen. Es hinterlässt chemische Rückstände auf den behandelten Flächen. Auch andere Reagenzien, die bei der Spurensicherung zum Einsatz kommen, können Verfärbungen und Rückstände verursachen.

Markierungen und Beschriftungen

Die Kriminaltechnik bringt Nummernmarkierungen, Kreidezeichen, Klebebandmarkierungen und Messpunkte an, um Spuren zu dokumentieren. Diese Markierungen werden bei der Freigabe nicht entfernt.

Beschädigungen durch die Spurensicherung

In manchen Fällen wurden im Rahmen der Ermittlung Türschlösser aufgebrochen, Bodenbeläge angehoben, Wandverkleidungen entfernt oder Möbel zerlegt. Auch diese Beschädigungen werden nicht rückgängig gemacht.

Was tun nach der Tatort-Freigabe? – Schritt-für-Schritt-Checkliste

Sobald die Staatsanwaltschaft den Tatort freigegeben hat, sollten Sie systematisch vorgehen. Die folgende Checkliste fasst die wichtigsten Schritte zusammen:

1. Zustand dokumentieren

Fotografieren und filmen Sie den Zustand des Tatorts unmittelbar nach der Freigabe. Halten Sie Datum und Uhrzeit fest. Diese Dokumentation ist für die Versicherung und eventuelle Schadensersatzansprüche unverzichtbar. Falls Sie den Tatort nicht selbst betreten möchten, können wir die Dokumentation für Sie übernehmen.

2. Polizeiliches Aktenzeichen sichern

Notieren Sie sich das polizeiliche Aktenzeichen des Ermittlungsverfahrens. Ohne dieses Aktenzeichen kann Ihre Versicherung den Schadensfall nicht zuordnen und wird Ihren Antrag nicht bearbeiten.

3. Versicherung informieren

Melden Sie den Schaden umgehend bei Ihrer Versicherung – in Frage kommen die Hausratversicherung und die Wohngebäudeversicherung. Wichtig: Beginnen Sie keine Reinigungsarbeiten, bevor Sie mit der Versicherung Rücksprache gehalten haben. Viele Versicherer möchten den Schaden vorab dokumentiert sehen oder einen Gutachter entsenden. Ausführliche Informationen zur Kostenübernahme finden Sie unter Wer zahlt die Tatortreinigung?

4. Professionelle Tatortreinigung beauftragen

Ein Tatort ist biologisch kontaminiert. Es besteht eine ernste Infektionsgefahr durch Krankheitserreger in Blut und Körperflüssigkeiten – unter anderem Hepatitis B, Hepatitis C und HIV. Versuchen Sie nicht, den Tatort selbst zu reinigen. Beauftragen Sie ein professionelles Tatortreinigungsunternehmen, das über die entsprechende Schutzausrüstung, Desinfektionsmittel und Erfahrung verfügt. Den vollständigen Ablauf unserer Arbeit beschreiben wir unter Ablauf einer professionellen Tatortreinigung.

5. Opferhilfe kontaktieren

Betroffene von Straftaten haben Anspruch auf Unterstützung. Wir empfehlen zwei Anlaufstellen:

  • Weißer Ring e. V. – Opfertelefon: 116 006 (kostenfrei, 7 Tage die Woche)
  • hilfe-info.de – das Informationsportal des Bundesministeriums der Justiz für Opfer von Straftaten

6. Adhäsionsantrag prüfen

Über einen sogenannten Adhäsionsantrag nach §403 ff. StPO können Sie als Geschädigter bereits im Strafverfahren Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche gegen den Täter geltend machen. Das spart ein separates Zivilverfahren. Lassen Sie sich hierzu anwaltlich beraten.

7. Psychologische Unterstützung suchen

Die Konfrontation mit einem Tatort – direkt oder indirekt – kann schwere psychische Belastungen verursachen. Nehmen Sie professionelle psychologische Hilfe in Anspruch. Ihr Hausarzt kann Sie an einen Therapeuten überweisen, und die Opferhilfe-Organisationen vermitteln ebenfalls psychologische Unterstützung.

Wer darf den Tatort nach der Freigabe betreten?

Nach der offiziellen Freigabe durch die Staatsanwaltschaft gelten die normalen zivilrechtlichen Regelungen:

PersonengruppeZutrittsrechtRechtsgrundlage
EigentümerUneingeschränkter ZugangEigentumsrecht
MieterUneingeschränkter ZugangBesitzrecht nach §854 BGB
Beauftragte Dritte (z. B. Tatortreiniger)Mit Zustimmung des Eigentümers oder MietersBeauftragung
VersicherungsgutachterMit Zustimmung des VersicherungsnehmersVersicherungsvertrag
ErbenNach Vorlage des ErbscheinsErbrecht

Wichtig: Solange die polizeiliche Versiegelung besteht, darf niemand den Tatort betreten – auch nicht der Eigentümer. Ein Verstoß gegen eine Versiegelung ist gemäß §136 StGB strafbar.

Wie lange dauert es bis zur Tatort-Freigabe?

Die Dauer zwischen der Tat und der Freigabe des Tatorts hängt von der Schwere des Delikts und der Komplexität der Ermittlungen ab. Die folgenden Zeiträume sind Erfahrungswerte – im Einzelfall kann die Dauer abweichen:

FalltypTypische Dauer bis zur Freigabe
Einfache KörperverletzungWenige Stunden bis 1 Tag
Einbruch / Raub1 – 3 Tage
Schwere Körperverletzung2 – 7 Tage
Tötungsdelikt1 – 4 Wochen
Komplexe Tatorte (Mehrfachtaten, unklare Spurenlage)Mehrere Wochen bis Monate

Je länger ein Tatort versiegelt bleibt, desto gravierender können Folgeschäden werden – insbesondere wenn biologische Kontaminationen vorhanden sind. Verwesungsprozesse, Schimmelbildung und Schädlingsbefall verschlimmern die Situation mit jedem Tag. Sobald die Freigabe erteilt wird, sollte die professionelle Reinigung daher so schnell wie möglich beginnen.

Weitere Informationen zu den anfallenden Kosten finden Sie unter Tatortreinigung Kosten.

Häufige Fragen

Nein. Die Dauer der Ermittlungen und der Zeitpunkt der Freigabe liegen ausschließlich im Ermessen der Staatsanwaltschaft. Weder Eigentümer noch Mieter oder deren Anwälte können die Freigabe erzwingen. In dringenden Fällen – etwa wenn Folgeschäden drohen – kann ein Rechtsanwalt bei der Staatsanwaltschaft auf eine beschleunigte Bearbeitung hinwirken, jedoch gibt es keinen Rechtsanspruch auf einen bestimmten Termin.

Nein. Solange der Tatort versiegelt ist, ist das Betreten verboten. Das Aufbrechen oder Umgehen einer polizeilichen Versiegelung ist nach §136 StGB strafbar (Siegelbruch). Wenn Sie dringend persönliche Gegenstände benötigen – etwa Medikamente oder wichtige Dokumente – können Sie bei der zuständigen Polizeidienststelle oder der Staatsanwaltschaft eine Einzelgenehmigung beantragen.

In vielen Fällen übernimmt die Hausratversicherung oder die Wohngebäudeversicherung die Kosten für die professionelle Tatortreinigung. Voraussetzung ist eine sorgfältige Dokumentation und die Vorlage des polizeilichen Aktenzeichens. Darüber hinaus können Schadensersatzansprüche gegen den Täter bestehen. Ausführliche Informationen finden Sie unter Wer zahlt die Tatortreinigung? und Tatortreinigung Kosten.

Als Mieter haben Sie das Besitzrecht an der Wohnung und sind in der Regel derjenige, der die Reinigung veranlasst. In vielen Fällen springt die Hausratversicherung ein. Unter bestimmten Umständen kann auch der Vermieter über die Wohngebäudeversicherung einen Teil der Kosten tragen – insbesondere wenn die Bausubstanz betroffen ist. Klären Sie die Zuständigkeit frühzeitig mit Ihrem Vermieter und Ihrer Versicherung.

Davon raten wir dringend ab. Biologische Kontaminationen wie Blut und Körperflüssigkeiten können gefährliche Krankheitserreger enthalten, darunter Hepatitis B, Hepatitis C und HIV. Ohne professionelle Schutzausrüstung und zugelassene Desinfektionsmittel besteht ein ernstes Infektionsrisiko. Zudem können Laien nicht sicherstellen, dass alle Kontaminationen vollständig entfernt werden – insbesondere wenn Flüssigkeiten in Fugen, Bodenbeläge oder die Bausubstanz eingedrungen sind. Mehr dazu unter Tatortreinigung selber machen?

Bei Tötungsdelikten, bei denen das Opfer nicht sofort gefunden wird, kann sich starker Verwesungsgeruch entwickeln – insbesondere wenn der Tatort über Wochen versiegelt bleibt. Dieser Geruch lässt sich nicht durch Lüften oder handelsübliche Reinigungsmittel beseitigen. Eine professionelle Geruchsneutralisation mittels Ozonbehandlung ist in solchen Fällen unverzichtbar. Weitere Informationen finden Sie auch unter Todesfall in der Wohnung.

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