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Leichengeruch ist einer der intensivsten und einprägsamsten Gerüche, die es gibt. Wer ihn einmal wahrgenommen hat, vergisst ihn nicht. Trotzdem sind die meisten Menschen unsicher, ob der ungewöhnliche Geruch im Treppenhaus oder aus der Nachbarwohnung tatsächlich von einem Leichnam stammt – oder eine harmlose Ursache hat. Dieser Artikel erklärt, wie Leichengeruch entsteht, wie er sich von anderen Gerüchen unterscheidet, welche Gesundheitsrisiken bestehen und was Sie tun sollten, wenn Sie ihn bemerken.
Nach dem Tod eines Menschen hört das Immunsystem auf zu arbeiten. Die Bakterien im Körper – vor allem im Darm – beginnen, Gewebe und Proteine zu zersetzen. Bei diesem Abbau entstehen flüchtige chemische Verbindungen, die in ihrer Kombination den typischen Leichengeruch erzeugen:
Die genaue Zusammensetzung des Geruchs hängt von mehreren Faktoren ab: Körpergewicht und Fettanteil des Verstorbenen, Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und Belüftung. In beheizten Räumen oder im Sommer schreitet die Zersetzung deutlich schneller voran als im Winter.
Die Verwesung durchläuft mehrere Phasen, die jeweils unterschiedlich starken Geruch erzeugen:
Unmittelbar nach dem Tod beginnt die Selbstzersetzung der Zellen durch körpereigene Enzyme. In kühlen Räumen (unter 15 °C) ist in dieser Phase kaum ein Geruch wahrnehmbar. Bei Sommerhitze über 25 °C kann bereits nach wenigen Stunden ein erster, schwacher Geruch entstehen – süßlich und leicht unangenehm, aber noch nicht eindeutig als Leichengeruch erkennbar.
Die Darmbakterien breiten sich über den Blutkreislauf im gesamten Körper aus. Fäulnisgase lassen den Bauch anschwellen. Der Geruch wird innerhalb weniger Tage intensiv, durchdringend und unverwechselbar. Verwesungsflüssigkeit tritt aus und dringt in Böden, Teppiche und poröse Materialien ein. Ab diesem Zeitpunkt ist der Geruch häufig auch außerhalb der Wohnung wahrnehmbar – im Treppenhaus, durch Lüftungsschächte oder in angrenzenden Wohnungen.
Die Geruchsintensität erreicht ihren Höhepunkt. Weichteile verflüssigen sich zunehmend. Massiver Insektenbefall (Schmeißfliegen, Maden) beschleunigt den Prozess. Der Geruch kann ein gesamtes Mehrfamilienhaus durchdringen. Nach mehreren Monaten nimmt die Intensität langsam ab – die kontaminierten Materialien riechen jedoch weiterhin stark.
Leichengeruch hat eine einzigartige Zusammensetzung, die ihn von allen anderen Gerüchen unterscheidet. Er wird als süßlich-faulig beschrieben – eine Mischung, die gleichzeitig süß, metallisch, erdig und beißend wirkt. Manche Betroffene vergleichen ihn mit verdorbenem Fleisch oder überreifen, fauligen Früchten. Diese Vergleiche treffen den Charakter nur annähernd: Der tatsächliche Geruch ist deutlich intensiver und hat eine penetrant klebrige Qualität, die an Kleidung, Haaren und in der Nase haftet.
Häufig wird Leichengeruch zunächst mit einer anderen Ursache verwechselt:
Entscheidend ist: Wenn ein ungewöhnlicher, süßlich-fauliger Geruch über mehrere Tage besteht, sich nicht durch Lüften beseitigen lässt und scheinbar aus einer bestimmten Wohnung kommt, sollten Sie handeln.
Wenn Sie einen ungewöhnlichen Geruch bemerken und vermuten, dass ein Nachbar verstorben sein könnte, gehen Sie wie folgt vor:
Ausführliche Hinweise zum Verhalten bei einem Leichenfund finden Sie in unserem Artikel Was tun bei einem Leichenfund? Speziell für betroffene Nachbarn: Leichenfund in der Nachbarwohnung.
Der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke stellt klar: Leichengeruch selbst ist nicht giftig. Die als „Leichengift“ bezeichneten Substanzen Cadaverin und Putrescin sind biogene Amine, die bei Einatmung in den Konzentrationen, wie sie in einer Wohnung vorkommen, für den Menschen ungefährlich sind. Der Geruch kann Übelkeit und Brechreiz auslösen, ist aber im toxikologischen Sinn nicht gesundheitsschädlich.
Die tatsächliche Gefahr geht nicht vom Geruch aus, sondern vom direkten Kontakt mit Verwesungsflüssigkeit und kontaminierten Oberflächen. In der Verwesungsflüssigkeit befinden sich Bakterien (Clostridien, Enterobakterien) und Pilze, die über Wunden oder Schleimhäute Infektionen verursachen können. Bei längerer Verwesung in geschlossenen Räumen können mikrobielle Stoffwechselprodukte und Pilzsporen zudem Atemwegsreizungen hervorrufen.
Professionelle Tatortreiniger arbeiten deshalb mit vollständiger Schutzausrüstung: Ganzkörperanzug, FFP3-Atemschutzmaske, Handschuhe und Überschuhe. Laien sollten kontaminierte Räume grundsätzlich nicht betreten.
In Mehrfamilienhäusern breitet sich Leichengeruch über verschiedene Wege aus, oft weit über die betroffene Wohnung hinaus:
Das typische Muster: Zunächst bemerken die direkten Nachbarn (Tür an Tür oder darüber/darunter) den Geruch. Innerhalb von Tagen bis Wochen kann das gesamte Treppenhaus betroffen sein. Die Geruchsausbreitung wird durch Wärme beschleunigt – im Sommer und in beheizten Gebäuden verbreitet sich der Geruch schneller und weiter als bei niedrigen Temperaturen.
Leichengeruch lässt sich mit Hausmitteln nicht beseitigen. Lüften, Duftkerzen, Essig oder Raumsprays überdecken den Geruch bestenfalls für Minuten – die Ursache bleibt. Die professionelle Beseitigung erfolgt in mehreren aufeinander aufbauenden Schritten:
Alle biologischen Rückstände werden fachgerecht entfernt. Kontaminierte Materialien – Teppiche, Polstermöbel, Matratzen – werden als Sondermüll entsorgt. Alle verbliebenen Oberflächen werden mit Spezialreinigern desinfiziert.
Ozon (O3) ist das wirksamste Mittel zur dauerhaften Geruchsneutralisation. Das Gas dringt – genau wie die Geruchsmoleküle – in poröse Materialien ein und zerstört die geruchsbildenden Verbindungen durch Oxidation. Die Behandlung dauert 24 bis 48 Stunden bei geschlossenen Fenstern und Türen. Während dieser Zeit dürfen sich keine Menschen oder Tiere im Raum aufhalten. Detaillierte Informationen finden Sie unter Ozonbehandlung nach Todesfall.
Wenn Verwesungsflüssigkeit durch den Bodenbelag in den Estrich eingedrungen ist, reichen Reinigung und Ozon nicht aus. Der kontaminierte Estrich muss dann geschliffen oder stellenweise erneuert werden. Bei Holzböden kann ein Abschleifen oder Austausch nötig sein. In seltenen Fällen muss auch betroffener Wandputz entfernt werden.
Einen detaillierten Überblick über den Ablauf finden Sie unter Verwesungsgeruch entfernen.
Die Kosten hängen vom Einzelfall ab – vor allem von der Dauer der Verwesung und dem Ausmaß der Kontamination:
Ein verbindliches Angebot ist erst nach Besichtigung möglich, da jeder Fall unterschiedlich ist. Eine ausführliche Kostenübersicht finden Sie unter Tatortreinigung Kosten. Wer die Kosten trägt, erklären wir unter Wer zahlt die Tatortreinigung?
Die rechtliche Zuständigkeit hängt von der Wohnsituation ab:
In vielen Fällen übernimmt die Hausratversicherung des Verstorbenen einen Teil der Kosten. Bei Schäden an der Bausubstanz kann die Wohngebäudeversicherung einspringen. Mehr dazu unter Wer zahlt die Tatortreinigung?
Unabhängig von der Kostenfrage gilt: Je schneller die professionelle Reinigung beginnt, desto geringer sind Aufwand und Kosten. Jeder Tag Verzögerung verschlimmert die Kontamination.
Der Geruch selbst ist nicht giftig. Cadaverin und Putrescin sind bei Einatmung in normaler Raumkonzentration ungefährlich. Gefährlich ist der direkte Kontakt mit Verwesungsflüssigkeit, da diese Bakterien und Keime enthält. Kontaminierte Räume sollten ausschließlich von Fachpersonal mit Schutzausrüstung betreten werden.
Das hängt von der Temperatur ab. In kühlen Räumen kann ein Leichnam 2–3 Tage geruchsfrei bleiben. Bei Sommerhitze ist ein erster Geruch schon nach wenigen Stunden möglich. Spätestens nach einer Woche ist der Geruch bei normaler Raumtemperatur deutlich wahrnehmbar – auch außerhalb der Wohnung.
Rufen Sie die Polizei unter 110 an. Versuchen Sie nicht, selbst in die betreffende Wohnung zu gelangen. Informieren Sie die Hausverwaltung. Schützen Sie Ihre eigene Wohnung, indem Sie Fenster und Türen zum Treppenhaus geschlossen halten. Eine detaillierte Anleitung finden Sie unter Leichenfund in der Nachbarwohnung.
Bei fachgerechter Durchführung – vollständige Reinigung, Entfernung kontaminierter Materialien und gründliche Ozonbehandlung – kommt der Geruch nicht zurück. Wenn nach der Erstbehandlung ein Restgeruch besteht, deutet das auf eine unzureichende Tiefenreinigung hin: Meist ist dann Verwesungsflüssigkeit in den Estrich eingedrungen und eine bauliche Sanierung erforderlich.
Der Geruch eines Tierkadavers (Maus, Ratte) riecht ähnlich, ist aber wesentlich schwächer und verschwindet nach 1–2 Wochen von selbst. Menschlicher Leichengeruch ist um ein Vielfaches intensiver, hält über Wochen bis Monate an und breitet sich im gesamten Gebäude aus.
Eine echte Gewöhnung ist umstritten. Der Geruch kommt in Wellen – mal stärker, mal schwächer – abhängig von Temperatur und Luftbewegung. Was manche als Gewöhnung empfinden, sind die schwächeren Phasen zwischen den Geruchswellen.

